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Nachricht aus dem Archiv

Jogi [Gast] schrieb am 22.May.2010, 13:44:07 in der Kategorie verkehr.kfz

Unfall: Brems- mit Gaspedal verwechselt - wie geht das?

> > Du gehörst vielleicht oder sogar bestimmt nicht zu der präsigen Masse,
> das
> > ist ja die andere Feststellung die man so macht, es gibt einen hohen,
> sehr
> > hohen Anteil spät- oder nie oder immer genau falsch Reagierender und
> einen
> > gewissen Anteil fast immer schnell und richtig Reagierender.
>
> Weiß nicht, aber ich glaube, das würde ich so nicht sagen. Ich bilde mir
> ein, in dem Moment, als der Aufprall nicht mehr zu vermeiden war, an gar
> nichts gedacht zu haben. Das war einfach Reflex. Beim ersten Mal hatte ich
> bei ca. 80 mit der Bremse ins Leere getreten und vor mir stand ein
> Mercedes-Kleintransporter. Ich weiß noch, das ich nach rechts gezogen habe,
> weil da noch eine Spur war. Dann sah ich dort jedoch einen PKW und habe
> wieder zurückgezogen. Wie gut, denn so fing mich der Transporter auf und
> ich bin nicht in die Menschen, die über die Straße liefen, gefahren. Der
> Transporter war natürlich Schrott. Der Fahrer sah auf mein Nummernschild
> (wir hatten damals DB-Schilder) und meinte: \"Was, Sie sind von der Bahn?
> Die haben Geld … ich habe ganz starke Kopfschmerzen …\". Beim zweiten Mal
> stand auf einmal ein Trabi vor mir, der dann nur noch halb so breit war.
> Und beim dritten Mal meinte jemand, an der Siegessäule aus einem inneren
> Ring plötzlich ausfahren zu müssen. In keinem Fall habe ich gedacht.

Nuja, Reflexe entstehen ja für gwöhnlich dadurch das richtiges Verhalten in Fleisch und Blut übergeht. Wenn man da erst immer den Dialog Kleinhirn an Großhirn: \"Da ist ein Dinosaurier, was soll ich tun\" abwarten müßte, ohweh...

>
> > Du sprichst von Egoismus?
>
> Ja, genau, aber unbewusst. Man lenkt einfach in die Richtung, in der es
> die geringste Gefahr gibt. Denke ich zumindest.  :-)

Ich irgendwie nicht. Mir kam mal seitlich jemand in die Quere, stand wie Beton vor mir. Reflex wäre gewesen nach links auszuweichen, aber da kam eine Familienkutsche angeschippert, deren Insassen ich so womöglich völlig unschuldigerweise ausgelöscht hätte, also genau entgegengesetzt gelenkt und den Vorfahrtnehmer ersatzweise abgeurteilt und die Familie verschont / Bremsen war natürlich viel zu spät und aussichtslos und mit blockierten Rädern kann man eben auch nicht lenken.

>
> > Ein Führer einer potentiell hochgefährlichen Maschine -/- ein einfacher
> > kleiner LKW hat lt. Studien bei normaler vorausschauender vorsichtiger
> > Bedienung schon ein über 90faches Gefährdungspotential eines PKW, ein
> > 36-Tonner Lastzug nochmal ein ungleich viel höheres, um wieviel höher
> ist
> > erst das Risiko des Real-Lasters mit einen halb pennenden,
> unausgebildeten,
> > Mir-ist-alles-scheißegal-Fahrer womöglich auf einem veralteten
> unsicheren
> > im Ausland zugelassenen LKW? -/- hat die moralische Pflicht, so zu
> > verunglücken, daß andere dabei wenn möglich eine bestmögliche Chance
> auf
> > Überleben und Unversehrtheit haben, ansonsten ist er völlig fehl im
> > Führerhaus.
>
> Ist schon klar. Wir haben ja auch mal in einem älteren Thread
> festgestellt, dass sich die Zeiten geändert haben. Damals waren wir stolz,
> auf dem Bock sitzen zu können, aber das ist heute anscheinend wirklich
> anders. Truckerstolz scheint es so nicht mehr zu geben.

Stimmt, es gab mal Zeiten da hatten Trucker eine Berufsausbildung, einen ausgebildeten Beifahrer/Zweitfahrer, eine sehr ausführliche Einweisung auf das jeweilige Fahrzeug, ein Gefahren-Training, und... Herz und Verstand.

> > Und ja, ich weiß wie sich so ein (Mist)bock fährt, ich hatte selber mal
> > die Klasse BCE und fuhr bis zum Zweiachslenker mit Allachsantrieb alle
> > verfügbaren LKW mit und ohne Anhänger, mit und ohne maximal zulässigem
> > Gesamtgewicht. Ich weiß auch das man mit dem LKW als Waffe kein Leben
> > gefährden muß, wenn man es nur will. Einige Unfälle mußte ich auch
> dabei
> > überstehen, der tragischste war ein auf weniger als die Hälfte
> > zerquetschter VW-Bus, dessen Fahrer allerdings die Alleinschuld trug
> wobei
> > die Unvermeidbarkeit des Unfalls durch den LKW selbst bei idealst
> denkbaren
> > Bedingungen von mehreren Sachverständigen beglaubigt wurde und auch
> nicht
> > die kleinste die Milderung der Unfallfolgen verhaltensabhängig seitens
> des
> > LKW-Fahrers möglich gewesen wäre.
>
> Klar, wenn man täglich ein paar hundert Kilometer fährt, ist die
> Wahrscheinlichkeit, dass mal was passiert, schon höher. Tragisch ist es
> immer, aber zum Glück blieb mir die Erfahrung erspart, mit wirklich
> Verletzten zu tun zu haben. In dem Trabi saß zum Glück auch nur die
> Fahrerin - ein Beifahrer hätte es bestimmt nicht überlebt.

So´ne Pappe hält auch nicht gerade viel, da lobte ich mir früher den Käfer, nach Überschlag in der Kiesgrube immer noch fahrtüchtig, das eingedellte Dach auf´m Rücken liegend mit den Füßen wieder rausgetreten, kleine dünne Bäume konnte man damit fällen ehe sie einen wegsensten, und dank gleicher Stoßstangenhöhe ging so mancher Rempler nicht auf die Kutsche, die Stoßstangen selber kamen wieder rausgefedert wie Eisenbahn-Puffer.

>
> > Hätte ich auch mal besser machen sollen als mich ein Verrückter mit
> seinem
> > 20M Ford frontal gerammt hat, damals als es noch weder Airbags noch
> Gurte
> > auf allen Plätzen gab. So hab ich leider das Bremspedal abgetreten und
> das
> > Fußgelenk gleich mit dauerhaft angeknackst - macht heute noch Ärger bei
> > bestimmten Konstellationen. Allerdings meinte der Gutachter später, nur
> der
> > Abbau von so viel wie möglich Aufprallenergie durch Blockierbremsen bis
> zum
> > Aufprall hätte den unangeschnallten Mitfahrern Schlimmeres erspart.
> > Zuminedest denen in meinem Audi, denen im Ford gings übler.
>
> Kann ich mir vorstellen. Aber bei mir war es halt auch nur der Reflex -
> oben konnte nichts passieren, aber die Beine hätte man sich einklemmen
> können. Also Beine hoch …
> Der Aufprall war bei allen Unfällen sowieso nicht mehr zu verhinden. Aber
> in keinem Fall hatte ich Schuld.  ;-)

Erstaunlicherweise war der Fußraum im Audi noch voll da, der Motor lief auch noch, es gab eine sauber gefaltete Motorhaube und dezentes Wellblech an den Kotflügeln. Der Ford war bis zur Winschutzscheibe futschikato, völlig kleingefaltet, Motorblock rausgerissen, die Frontscheibe war draußen, die Köppe auch, einer lag auf der Motorhaube und einer hing so irgendwie krumm im schiefstehenden Sitz über dem nach oben gedrückten völlig bizarr verbogenen und verschrobenen Lenkrad.
Nach zwei Wochen Krankenhaus ging´s bei mir wieder, d.h. heimlich Rauchen und Getränke einschmuggeln lassen ging auch schon im KH  :-)
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