> Du gehörst vielleicht oder sogar bestimmt nicht zu der präsigen Masse, das
> ist ja die andere Feststellung die man so macht, es gibt einen hohen, sehr
> hohen Anteil spät- oder nie oder immer genau falsch Reagierender und einen
> gewissen Anteil fast immer schnell und richtig Reagierender.
Weiß nicht, aber ich glaube, das würde ich so nicht sagen. Ich bilde mir ein, in dem Moment, als der Aufprall nicht mehr zu vermeiden war, an gar nichts gedacht zu haben. Das war einfach Reflex. Beim ersten Mal hatte ich bei ca. 80 mit der Bremse ins Leere getreten und vor mir stand ein Mercedes-Kleintransporter. Ich weiß noch, das ich nach rechts gezogen habe, weil da noch eine Spur war. Dann sah ich dort jedoch einen PKW und habe wieder zurückgezogen. Wie gut, denn so fing mich der Transporter auf und ich bin nicht in die Menschen, die über die Straße liefen, gefahren. Der Transporter war natürlich Schrott. Der Fahrer sah auf mein Nummernschild (wir hatten damals DB-Schilder) und meinte: \"Was, Sie sind von der Bahn? Die haben Geld … ich habe ganz starke Kopfschmerzen …\". Beim zweiten Mal stand auf einmal ein Trabi vor mir, der dann nur noch halb so breit war. Und beim dritten Mal meinte jemand, an der Siegessäule aus einem inneren Ring plötzlich ausfahren zu müssen. In keinem Fall habe ich gedacht.
> Du sprichst von Egoismus?
Ja, genau, aber unbewusst. Man lenkt einfach in die Richtung, in der es die geringste Gefahr gibt. Denke ich zumindest.
> Ein Führer einer potentiell hochgefährlichen Maschine -/- ein einfacher
> kleiner LKW hat lt. Studien bei normaler vorausschauender vorsichtiger
> Bedienung schon ein über 90faches Gefährdungspotential eines PKW, ein
> 36-Tonner Lastzug nochmal ein ungleich viel höheres, um wieviel höher ist
> erst das Risiko des Real-Lasters mit einen halb pennenden, unausgebildeten,
> Mir-ist-alles-scheißegal-Fahrer womöglich auf einem veralteten unsicheren
> im Ausland zugelassenen LKW? -/- hat die moralische Pflicht, so zu
> verunglücken, daß andere dabei wenn möglich eine bestmögliche Chance auf
> Überleben und Unversehrtheit haben, ansonsten ist er völlig fehl im
> Führerhaus.
Ist schon klar. Wir haben ja auch mal in einem älteren Thread festgestellt, dass sich die Zeiten geändert haben. Damals waren wir stolz, auf dem Bock sitzen zu können, aber das ist heute anscheinend wirklich anders. Truckerstolz scheint es so nicht mehr zu geben.
> Und ja, ich weiß wie sich so ein (Mist)bock fährt, ich hatte selber mal
> die Klasse BCE und fuhr bis zum Zweiachslenker mit Allachsantrieb alle
> verfügbaren LKW mit und ohne Anhänger, mit und ohne maximal zulässigem
> Gesamtgewicht. Ich weiß auch das man mit dem LKW als Waffe kein Leben
> gefährden muß, wenn man es nur will. Einige Unfälle mußte ich auch dabei
> überstehen, der tragischste war ein auf weniger als die Hälfte
> zerquetschter VW-Bus, dessen Fahrer allerdings die Alleinschuld trug wobei
> die Unvermeidbarkeit des Unfalls durch den LKW selbst bei idealst denkbaren
> Bedingungen von mehreren Sachverständigen beglaubigt wurde und auch nicht
> die kleinste die Milderung der Unfallfolgen verhaltensabhängig seitens des
> LKW-Fahrers möglich gewesen wäre.
Klar, wenn man täglich ein paar hundert Kilometer fährt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass mal was passiert, schon höher. Tragisch ist es immer, aber zum Glück blieb mir die Erfahrung erspart, mit wirklich Verletzten zu tun zu haben. In dem Trabi saß zum Glück auch nur die Fahrerin - ein Beifahrer hätte es bestimmt nicht überlebt.
> Hätte ich auch mal besser machen sollen als mich ein Verrückter mit seinem
> 20M Ford frontal gerammt hat, damals als es noch weder Airbags noch Gurte
> auf allen Plätzen gab. So hab ich leider das Bremspedal abgetreten und das
> Fußgelenk gleich mit dauerhaft angeknackst - macht heute noch Ärger bei
> bestimmten Konstellationen. Allerdings meinte der Gutachter später, nur der
> Abbau von so viel wie möglich Aufprallenergie durch Blockierbremsen bis zum
> Aufprall hätte den unangeschnallten Mitfahrern Schlimmeres erspart.
> Zuminedest denen in meinem Audi, denen im Ford gings übler.
Kann ich mir vorstellen. Aber bei mir war es halt auch nur der Reflex - oben konnte nichts passieren, aber die Beine hätte man sich einklemmen können. Also Beine hoch …
Der Aufprall war bei allen Unfällen sowieso nicht mehr zu verhinden. Aber in keinem Fall hatte ich Schuld.