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Nachricht aus dem Archiv

RoyMurphy schrieb am 27.May.2010, 01:00:21 in der Kategorie verkehr.kfz

Unfall gehabt, Versicherung sträubt sich

> Nun bin ich beurflich stark eingespannt und hatte erst 12 Tage später
> Gelegenheit zu einer Werkstatt zu fahren, damit die den Schaden einschätzt.

Hallo Kosmonaut,

dies war die Wurzel deiner folgenden Probleme, da offenbar die Unfallverursacherin als nicht haftende Versicherte den Parkrempler nicht gemeldet hatte, in der Hoffnung, die Angelegenheit würde evtl. wegen Geringfügigkeit im Sand verlaufen. Aber in den Versicherungsbestimmungen steht klipp und klar, ein Unfallgeschehen unabhängig von der Schuldfrage zeitnah, spätestens innerhalb von 24 Stunden der Versicherung zu melden. Und zwar von beiden Kontrahenten! So kann die \"Dame\" evtl. sogar persönlich haftbar gemacht werden oder die Firmenversicherung in Regress gehen.
Bei leichten Blechschäden kommt die Polizei eh kaum noch, so dass man selbst die Beweissicherung, ggf. mit Zeugen, vorzunehmen hat.

Dazu ein Beispiel, welche Ratschläge mir die Polizei am 12. Mai noch am Unfallort erteilte, wo meiner Frau die Vorfahrt genommen worden war:

- Versicherung verständigen, um evtl. Forderungen der Gegenseite zu prüfen und abzuwehren.
Einen Tag später habe ich mich bei der gegnerischen Versicherung erkundigt, ob der Unfall von der Fahrzeughalterin (ihr Mann war der Tolpatsch gewesen) gemeldet worden sei und erhielt bereits zu diesem Zeitpunkt Angebote zur einvernehmlichen Schadensregulierung
- Unabhängigen Gutachter bestellen => wurde von meiner Werkstatt übernommen
- Da der Notarzt vor Ort eine Untersuchung hinsichtlich körperlicher und neurologischer Verletzungen durchführen konnte (gottlob kein Befund), erübrigte sich ein Termin beim Hausarzt wegen eines Attests zur Durchsetzung von Schmerzensgeldforderungen (in D muss man bekanntlich Körperteile einbüßen oder schwerbehindert bleiben, um überhaupt was zu bekommen)
- Weil keine gerichtsmedizinisch relevanten Folgeschäden zu befürchten sind, muss keine private Strafanzeige zusätzlich zur polizeilichen erstattet werden (=> Beitrag zur Schadensminderung).
- Bei rein privater Schadensregulierung ist die Einschaltung eines Anwalts dringend zu empfehlen, da man sonst einen schweren Stand gegenüber zickigen Versicherungen hat - v.a. Online-Billigheimer ohne persönlichen Service. Die Anwaltskosten müssen in der Regel von der haftenden Versicherung übernommen werden.

> Also schlug mir die Dame vor, dass wir es ja so drehen könnten: Sie
> erstattet Selbstanzeige, weil sie in mein parkendes Auto gefahren sei. So
> gäbe es ein Aktenzeichen und ich hätte nix weiter damit zu tun. Aber auf
> solche Spielchen lasse ich mich nicht gern ein.

Da hast du Recht, denn damit begibt man sich leicht in die Nähe des Versicherungsbetrugs.

> Zwischenzeitlich habe ich sie darüber informiert, dass ich mich gerne auch
> direkt mit ihrem Arbeitgeber auseinandersetze, wenn sie es nicht gebacken
> kriegt.

In dieser Situation hätte ich mich auch eher an die Firma, die Halterin des Fahrzeugs gewandt, denn diese kann noch am ehesten eine versäumte zeitnahe Unfallmeldung \"abfedern\".
> Heute kam dann eine SMS, dass ich ihr bitte mein Kennzeichen, meine
> Anschrift, Versicherung und Versicherungsnummer mitteilen soll. Ich frage
> mich nun, wozu eigentlich braucht sie meine Versicherungsdaten?

Diesen Datenaustausch hat in unserem Fall die Polizei \"organisiert\", indem sie Unfallmeldekarten ausfüllen und austauschen ließ. Denn wie schon erwähnt, wird die eigene Versicherung nicht untätig bleiben, falls die Unfallgegnerschaft Schwierigkeiten bei der Schadensregulierung macht.
>
> Und dies ist auch die Frage an euch: Muss ich ihr meine Versicherungsdaten
> übermitteln?

Diese Daten hättet ihr möglichst schon am Unfallort austauschen müssen (=> Gleichheit der \"Waffen\")

Wozu braucht sie die? - Siehe oben.

Oder was hat sie möglicherweise damit vor? - Die Daten müssen von der gegnerischen Versicherung in den Schlussbericht und die Leistungsabrechung eingearbeitet werden: \"Den Schaden-Nr. nnnn am Kfz. [Marke, Modell, Kennzeichen, km-Stand]\" haben wir geschlossen.

P.S.: Seit 2 1/2 Jahren bin ich selbständiger Mitarbeiter einer großen Versicherungsgesellschaft und gewinne allmählich Einblicke in seriöse Vorgänge, aber auch in gewiefte Machenschaften.
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